Kunst im Landtag - Landtag Rheinland-Pfalz Mainz

September 2018

 

Ausstellung: Klare Kante - weiche Farbe mit Liane Deffert

Auszug aus der Eröffnungsrede:

 

Als ich mir Dorothee Reicherts Bilder zum ersten Mal anschaute, war ich erstmal erstaunt, was ihre Farbigkeit betraf. Nicht selten scheinen abstrakt arbeitende Maler_innen das Fehlen des Konkreten durch den Einsatz vieler und/oder leuchtender Farben wettmachen zu wollen. Wenn es schon nichts zu sehen gibt, dann soll der Betrachter wenigstens durch Farbexplosionen beeindruckt werden.
Doch würde man Reicherts Bildern eine Charaktereigenschaft zuschreiben, würde man sie als introvertiert bezeichnen. Die Künstlerin selbst spricht von „stillen Farben“, wenn sie ihre Palette beschreibt. Erdfarben und Grautöne, Weiß und Schwarz überwiegen in ihren Bildern. Das, was leuchten, was knallen könnte, wird nur minimal und in zarten Tönen eingesetzt. Und trotz dieser Stille, dieser Zurückhaltung, trotz der zum Teil herrschenden Dunkelheit haben die Bilder eine intensive, kraftvolle Ausstrahlung.

 

Wie macht Reichert das? Ohne zu viel über die genaue Technik zu verraten, liegt es zum Einen am Zusammenspiel verschiedener Materialien wie Öl- und Acrylfarbe, Marmormehl und anderen. In mehreren Schichten aufgetragen – bei größeren Formaten können das bis zu 15 Übermalungen sein – verleihen sie den Bildern nicht nur eine tiefgründige Wirkung. Ihre jeweiligen Eigenschaften und ihr Verhalten untereinander schaffen eine Vielzahl von farblichen Nuancen und Strukturen auf der Oberfläche.

 

Zum Anderen, und für die Dynamik der Bilder wesentlich, ist der Lauf der Farben. Dieses ruhige, stete Fließen, ließe sich, so mein Eindruck,  zeitlich wie räumlich unendlich fortführen – wäre es nicht durch die Fläche der Leinwand begrenzt. Was wir sehen wäre dann ein Ausschnitt, die Momentaufnahme einer stetigen Entwicklung, einer ständigen Veränderung.

 

Die Faszination für, und das Experimentieren mit Farben und Farbverläufen hat Dorothee Reichert schon früh für sich entdeckt, und ihre intuitive Arbeitsweise kommt diesem „Farben- Spiel-Trieb“ sehr entgegen. Was sie malt, beschäftigt sie auch außerhalb des Ateliers. Ihre Gedanken, beim Laufen, beim Einschlafen, mäandern dabei wohl ebenso frei, wie die Farben auf der Leinwand. Was am Ende dabei herauskommt, überrascht sie oft selbst. Und oft wird ihr auch erst im Nachhinein klar, was sie während der Entstehung innerlich bewegt hat. So abstrakt ihre Bilder, so konkret die Inhalte, die in ihr arbeiten. Es geht ihr, wie sie selbst sagt „um die Nuancen zwischenmenschlicher Themen“. Auch der Umgang mit gesellschaftlicher Veränderung spielt mit hinein. Wie begegnen wir Ihr? Mit Angst oder mit Neugier? Dorothee Reichert hat für sich Letzteres gewählt. Wer versteht, dass Veränderung ein permanenter Zustand ist, ein ewiges Fließen, dem macht sie weniger Angst und sieht sie als Chance, nicht als Gefahr. Wer aufhört, sich an festgefahrene Formen zu klammern, wird freier. Wer Un- oder noch nicht klar Definiertem mit Phantasie begegnet, erweitert und bereichert seinen Geist.                  

(Esther Klippel)

 

 

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