ALLES ...einander!

ARENA Trier

April 2010

Vordergründig sind die malerischen Situationen leicht, farb- und formdominiert angelegt. Das jeweilige „Einander“ scheint einen stabilen Zustand darzustellen. Dominant belegen die in Beziehung zueinander stehenden „Arme“  die Bildmitte und die Bildwirklichkeit. Sie scheinen auf den ersten Blick ihre Meinung konsequent zu vertreten. Sie scheinen eine harmonische, abgeschlossene Einheit darzustellen.  

Doch der These „Harmonie“ folgt die Antithese auf dem Fuß.  Beim näheren Betrachten der einzelnen Situationen fällt auf, dass bereits im Innen der Beziehung Brüche zu erkennen sind. Die Bogenpartner sind nicht gleichberechtigt. So sehen wir im Miteinander sehr wohl einen Protagonisten, der im Vordergrund steht und seinen Partner nicht nur hält, sondern auch in den Hintergrund drängt.  

Im Voneinander erkennen wir, die Haltlosigkeit in der Position des dominant Schwebenden, der ohne sein stützendes Gegenüber haltlos verloren wäre.  Im Füreinander zeigt sich, dass die Stärke des einen die Schwäche des anderen nicht nur stützt, sondern dass die Schwäche durch die Stärke geradezu evoziert wird. Skepsis macht sich breit. Ungesunde Abhängigkeiten werden offensichtlich. Beziehungen bergen nicht nur Schutz, sie bergen auch immer die Gefahr der symbiotischen Abhängigkeit und dadurch den Verlust an Eigenständigkeit. Nichts bleibt ohne Antwort. Keine Geste verhallt ohne Spuren.

Bildnerisch sehr gekonnt bezieht Dorothee Reichert auch die Umgebung der jeweiligen Beziehung in die abgründigen Konstellationen mit ein. Durch die zurückhaltende Anlage des Bildhintergrunds gelingt es ihr leicht, den Fokus des Betrachtenden auf das Hauptthema des Bildes zu richten. Doch der subtile Hintergrund, der durch Spuren die Auseinandersetzung des Inneren der Beziehung in das Außen transportiert, eröffnet neben einer angelegten Bildtiefe gleichzeitig den potentiellen Abgrund, den der vordergründige Zustand auf den ersten Blick zu negieren scheint. Hier zeigt sich die Vielschichtigkeit der Verflechtungen und es eröffnet sich fast sibyllinisch ein Labyrinth relativer Abgründe.  

(Christina Biundo/Auszug aus der Eröffnungsrede der Ausstellung)

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